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... wie souverän der dirigentenlose Vokalkreis Bielefeld durch vierzehn Werke unterschiedlicher Stilepochen gegangen war, wie sicher er Chorsätze alter Meister und experimentierfreudige Kompositionen von Zeitgenossen über die Zuhörer zu ergießen vermocht hatte. ...
Da war zu jeder Gelegenheit etwas von der Fähigkeit zur solistischen Profilierung des einzelnen Mitglieds zu hören, dann wieder von der Fähigkeit zur Einordnung in das Ensemble. Und diese Art von Können war gefragt. Schließlich ging es um Raumklangkonzepte europäischer Musik: also fanden sich die Sänger in ständig neuen Gruppierungen zusammen, verteilten sich in der Kirche, erwanderten singend den Raum, probierten die akustischen Möglichkeiten aus. Das ließ den Hörer zu keiner Sekunde unbeteiligt, der Kopf war gefordert. Nicht nur als Ort der geistigen Verarbeitung der intellektuell herausfordernden Konzeption, sondern auch mechanisch: drehen und wenden, um zu verfolgen, wer was gerade in Angriff nimmt.Natürlich kann man sich Kirchen mit faszinierenderen Raumklangwirkungen vorstellen. Und Kirchen, die Schwächen besser zudecken als die Petrikirche. Doch verbergen brauchte der Vokalkreis Bielefeld ohnehin nichts. Er stellte alte Musik mit angemessener Durchsichtigkeit aus, konnte Mendelssohn Bartholdy mit Erhabenheit ausführen und brillierte, wo es um die Moderne ging. Kaum ein Effekt, kaum eine atonale Passage, die nicht treffend ausgesungen, nicht mit überwältigender Glaubwürdigkeit herausgebracht wurde.
Meisterhaft, wie man Anton Bruckners "Locus iste" in eigener Bearbeitung in die Gegenwart entführte und nach Minuten des Umherirrens zu klanglicher Glückseligkeit zurückführen konnte. Rundum überzeugend auch, wie mit den Werken von Veljo Tormis, Thomas Jennefeldt und Hermann Markus Pressl umgegangen wurde. Da fehlte es trotz zum Teil minimalistischer Kompositionstechnik nicht an Tiefe des Ausdrucks, mangelte es nicht an Ausgewo- genheit des Klangbildes.
Doch übertroffen wurde die Qualität der Einzeldarstellungen von einer alles überragenden programmatischen Idee, die den Hörer wie ein roter Faden begleitete. Dazu ein stimmig aufgemachtes Programmheft, das zusätzlich Stimulation bietet. Ein Konzert wird Gesamtkunstwerk: Hörerherz, was willst du mehr?