aktuelles Programm
FarbTöne

Musik ist farbig. Aber wie wird dies deutlich? Als Hörende oder Musizierende können wir ein Musikstück in einem Farbzusammenhang wahrnehmen. Sei es über seine harmonische, melodische oder rhythmische Sprache, die uns in ein bestimmtes Farbspektrum, eine Atmosphäre taucht, oder hervorgerufen durch eindeutig formulierte Farbassoziationen, welche uns der Text eines Liedes eröffnet.
Vor dem inneren Auge bildet sich ein Farbraum, eine Farblandschaft, durch die wir beim Hören wandern können.
Für das aktuelle Programm „FarbTöne“ hat das Vokalensemble vOkabile die ausgewählten Werke vorrangig nach ihrem Wortlaut einzelnen Farben zugeordnet.

So finden Sie das Gelbgold eines besungenen Sonnenaufgangs, das durchsichtige Blau des in der Ferne unter einem blauen Himmel schimmernden Sees, den versilbernden Schein des aufgehenden Mondes, das fahle Grün des Winters, das Türkisblau der Schlingpflanzen im Reich des Wassermanns, aber auch flehendes Purpur, rote Sprechgesänge und orange schwebende Klänge. Am Ende steht ein wirklich buntes Hallelujah.
Manche Menschen sehen konkrete Farben wenn sie Musik hören. Diese individuellen Farbempfindungen lassen sich jedoch nicht zeigen oder materialisieren. Für die Visualisierung mit Hilfe der Malerei wären diese Bilder zu komplex und bewegt als das sie für außenstehende Betrachter einen Sinn ergeben würden.
„In den Farbtafeln, die für jedes einzelne Lied ein farbiges Pendant im Kirchenraum der Aufführung bilden, habe ich versucht, dem was die Musik in mir sichtbar macht, genau nachzugehen: Mich einzulassen auf die Farbigkeit, die Weite eines Klanges, seine Dichte oder Durchlässigkeit, das Bewegte, Verwobene oder Schwebende eines Rhythmus, die Tiefe einer Klage, dunkle exzessive Komplexität und leuchtendes Lodern, vibrierende Euphorie, fließende Stille.
Während des Malens, stets umgeben vom Reichtum des a cappella Klanges, dieses intensivsten Instrumentalklanges - der menschlichen Stimme - entstand eine tiefe Form der Auseinandersetzung, die meiner Malerei neue Wege eröffnete. In den glücklichsten Momenten kam es mir so vor, als ob die Bilder sängen.“









- Anna Mandel -
Repertoire
Sieben

vOkabiles neuestes Programm „Sieben“ stellt eine beziehungsreiche und im kulturgeschichtlichen Verlauf vielfach als heilig verehrte Zahl in den Mittelpunkt. Seit altersher schien sich die Sieben überall als natürliche Offenbarung aufzudrängen. Man beobachtete sieben Wandelsterne (Planeten), sieben Tage für eine Mondphase, sieben Sterne gehören zu den Plejaden und Hyaden, zum Großen und Kleinen Bären sowie dem Orion. So fand die Sieben Eingang in die kulturellen Vorstellungen der Völker und lässt sich als heilige Zahl mannigfaltig nachweisen.
Die Sieben war schließlich auch Grundlage für die Einteilung des Lebens in sieben Altersstufen oder in Lebensphasen von je sieben Jahren.
vOkabile verwebt in diesem Programm die sieben Lebensphasen des Menschen (Säuglingsalter, Kindheit, Jugend, Erwachsensein als mittlere Lebensphase, Alter, hohes Alter, Greis) mit dem Göttlichen, das ebenfalls durchwirkt ist von der Sieben als heiligem Ordnungsprinzip (Trinität des Göttlichen im Gegensatz zur Vierheit des Irdischen, Kreuzweg Christi mit den sieben letzten Worten, sieben Bitten im Vater Unser).
Für dieses Programm führt vOkabile die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Barbara Nestler als Gastkünstlerin fort. Sie wird das akustische Programm des Chores um die optische Komponente erweitern. Dabei wird die mythische Komponente der Zahl Sieben und das Element der Metamorphose in Form von Mischwesen aus Mensch und Tier sichtbar werden.

- Barbara Nestler -
Missa

Als „Ordinarium Missae“ bezeichnet man die feststehenden Texte des christlichen Gottesdienstes. Diese in Jahrhunderten entstandene Form gliedert den Gottesdienst in verschiedene Abschnitte, lässt sich aber auch deuten als Abfolge unterschiedlicher emotionaler Zustände des Menschen – Flehen, Jubel, Geborgenheit, Trauer, Zuversicht.
Seit der Renaissance wird das Ordinarium in mehrstimmigen Kompositionen vertont. Diese Zyklen werden seitdem, wie der Gottesdienst selbst, „Messe“ genannt. Die Komponisten der heute so genannten „Alten Musik“ haben sich den heiligen Texten mit Ehrfurcht genähert, sie musikalisch überhöht und persönliche Emotionen aus ihren Vertonungen fern gehalten. Im Laufe der Zeit entwickelten sich über die Affektenlehre des Barock und die Subjektivierung in der Klassik nach und nach Kompositionsweisen, welche die den Texten zugrunde liegenden Gefühlsregungen aufzuspüren suchen. Dadurch entstehen Vertonungen, in denen die einzelnen Bausteine des Textes ihrem emotionalen Gehalt gemäß unterschiedlich in Musik übersetzt werden.
Das Programm „Missa“ von vOkabile zeichnet den emotionalen Ablauf einer Messe musikalisch nach. Den fünf Teilen der „Missa super Sancta Maria“ von Jacobus Gallus, einer sechsstimmigen Vertonung des Messtextes aus dem 16. Jhd., werden korrespondierende zeitgenössische Kompositionen gegenübergestellt. Diese Werke arbeiten mit anderen kompositorischen Mitteln und haben Texte zur Grundlage, welche nicht aus dem Ordinarium stammen, drücken aber jeweils ähnliche Gefühle aus, wie die Texte der Messteile. In diesem Spannungsfeld zwischen quasi „objektiver“ Vertonung und der Subjektivität unserer Tage erscheinen die alten Texte in einem neuen Licht und werden vielfältig erfahrbar.

vOkabile setzt auch in diesem Programm die Zusammenarbeit mit anderen Kunstformen fort. Es konnte der Schauspieler Alexander Weise gewonnen werden, der mit unterschiedlichsten Texten das Programm „Missa“ um eine weitere Facette bereichern wird.

- Alexander Weise -