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vOkabiles neuestes Programm „Sieben“ stellt eine beziehungsreiche und im kulturgeschichtlichen Verlauf vielfach als heilig verehrte Zahl in den Mittelpunkt. Seit altersher schien sich die Sieben überall als natürliche Offenbarung aufzudrängen. Man beobachtete sieben Wandelsterne (Planeten), sieben Tage für eine Mondphase, sieben Sterne gehören zu den Plejaden und Hyaden, zum Großen und Kleinen Bären sowie dem Orion. So fand die Sieben Eingang in die kulturellen Vorstellungen der Völker und lässt sich als heilige Zahl mannigfaltig nachweisen.
Die Sieben war schließlich auch Grundlage für die Einteilung des Lebens in sieben Altersstufen oder in Lebensphasen von je sieben Jahren.
vOkabile verwebt in diesem Programm die sieben Lebensphasen des Menschen (Säuglingsalter, Kindheit, Jugend, Erwachsensein als mittlere Lebensphase, Alter, hohes Alter, Greis) mit dem Göttlichen, das ebenfalls durchwirkt ist von der Sieben als heiligem Ordnungsprinzip (Trinität des Göttlichen im Gegensatz zur Vierheit des Irdischen, Kreuzweg Christi mit den sieben letzten Worten, sieben Bitten im Vater Unser).
Für dieses Programm führt vOkabile die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Barbara Nestler als Gastkünstlerin fort. Sie wird das akustische Programm des Chores um die optische Komponente erweitern. Dabei wird die mythische Komponente der Zahl Sieben und das Element der Metamorphose in Form von Mischwesen aus Mensch und Tier sichtbar werden.
Dieses Programm von vOkabile lädt das Publikum ein, sich auf die Spuren von Wesen zu begeben, denen man in der uns umgebenden Wirklichkeit nicht begegnen kann, die aber in der Zwischenwelt der Kunst und der Musik erfahrbar werden.
Das Konzert wird mit Musik impressionistischen Charakters eingeleitet, die beschreibt, wie die Seele durch Schönheit, Liebe und Musik für die Erfahrung dieser „Zwischenwelten“ geöffnet wird. Dieser erste Abschnitt des Programms endet mit einem Auszug aus der „Hymn to St Cecilia“ von Benjamin Britten. Die Klänge der von ihr, der Schutzpatronin der Kirchenmusik, laut Legende erfundenen Orgel erwecken und bewegen Götter und Nymphen, die Seelen der Unterwelt und die Engel des Himmels. Und als gäbe dieses Stück eine Art Landkarte an die Hand, bewegen wir uns im Verlauf des Programms von einer der gerade genannten „Zwischenwelten“ in die folgende, bis das Publikum am Ende auf sich selbst verwiesen und aus den „Zwischenwelten“ des Konzerts wieder in die Wirklichkeit entlassen wird.
Und noch eine weitere Zwischenwelt wird erkundschaftet: Die Grenze zwischen vokalem und instrumentalem Klang. Denn vOkabile setzt auch in diesem Programm die Zusammenarbeit mit anderen Kunstformen fort. Diesmal konnte das Blockflöten-Ensemble Elb' an Flutes gewonnen werden. Gerade die Blockflöte hat, wie es schon Silvestro di Ganassi dal Fontego im Jahr 1535 beschreibt, „die Aufgabe, die menschliche Stimme mit all ihren Fähigkeiten nachzuahmen - denn sie vermag es.“
Als „Ordinarium Missae“ bezeichnet man die feststehenden Texte des christlichen Gottesdienstes. Diese in Jahrhunderten entstandene Form gliedert den Gottesdienst in verschiedene Abschnitte, lässt sich aber auch deuten als Abfolge unterschiedlicher emotionaler Zustände des Menschen – Flehen, Jubel, Geborgenheit, Trauer, Zuversicht.
Seit der Renaissance wird das Ordinarium in mehrstimmigen Kompositionen vertont. Diese Zyklen werden seitdem, wie der Gottesdienst selbst, „Messe“ genannt. Die Komponisten der heute so genannten „Alten Musik“ haben sich den heiligen Texten mit Ehrfurcht genähert, sie musikalisch überhöht und persönliche Emotionen aus ihren Vertonungen fern gehalten. Im Laufe der Zeit entwickelten sich über die Affektenlehre des Barock und die Subjektivierung in der Klassik nach und nach Kompositionsweisen, welche die den Texten zugrunde liegenden Gefühlsregungen aufzuspüren suchen. Dadurch entstehen Vertonungen, in denen die einzelnen Bausteine des Textes ihrem emotionalen Gehalt gemäß unterschiedlich in Musik übersetzt werden.
Das Programm „Missa“ von vOkabile zeichnet den emotionalen Ablauf einer Messe musikalisch nach. Den fünf Teilen der „Missa super Sancta Maria“ von Jacobus Gallus, einer sechsstimmigen Vertonung des Messtextes aus dem 16. Jhd., werden korrespondierende zeitgenössische Kompositionen gegenübergestellt. Diese Werke arbeiten mit anderen kompositorischen Mitteln und haben Texte zur Grundlage, welche nicht aus dem Ordinarium stammen, drücken aber jeweils ähnliche Gefühle aus, wie die Texte der Messteile. In diesem Spannungsfeld zwischen quasi „objektiver“ Vertonung und der Subjektivität unserer Tage erscheinen die alten Texte in einem neuen Licht und werden vielfältig erfahrbar.
vOkabile setzt auch in diesem Programm die Zusammenarbeit mit anderen Kunstformen fort. Es konnte der Schauspieler Alexander Weise gewonnen werden, der mit unterschiedlichsten Texten das Programm „Missa“ um eine weitere Facette bereichern wird.